Architekteninterview mit Alexander Schwab Architekten: Effizienz auf allen Ebenen

Schwerpunkt Nichtwohnbau

Was zeichnet einen modernen Firmensitz aus? Welche Ansprüche sollten Unternehmen an ihr Verwaltungsgebäude stellen?
Ein moderner Firmensitz sollte immer ein Identifikationsort für die Firma, die Mitarbeiter und seine Umgebung sein. Wer im großen Maßstab baut, der trägt in besonderem Maße Verantwortung für das Umfeld, in dem er baut; für die jeweilige Straße, den Platz oder sogar für die ganze Kommune. Und auch in anderen Bereichen sollte ein Verwaltungsgebäude nachhaltig geplant sein; es sollte eine hohe Wirtschaftlichkeit bieten, flexibel an unterschiedliche Organisationsformen anzupassen sein, einen geringen Energieverbrauch bei optimalen klimatischen Bedingungen des Arbeitsplatzes haben, einen geringen Input an „grauer Energie“ aufweisen und außerdem langlebig sein und geringe Unterhaltskosten ermöglichen.

Welche Anforderungen stellen sich an den modernen Industriebau?
In einem zeitgemäßen Industriebau sollte vor allem ausreichend Tageslicht vorhanden sein. Denn mit einem hohen Tageslichtanteil spart man erhebliche Energiekosten für künstliche Beleuchtung. Gleichzeitig fallen Lese- und Sortierarbeiten leichter und es gibt geringere Fehlerquoten. Ebenso steigt durch die Wahrnehmbarkeit von Tageszeit und Wetter die Arbeitsplatzzufriedenheit und es sinken die Krankheitsraten. Und da Industriebauten in Deutschland meist eingeschossig sind, stellt die Realisierung technisch in der Regel kein Problem dar.

Welche Anforderung gibt es speziell bei Logistikhallen, die ja den Schwerpunkt Ihrer Arbeit darstellen?
Eine gut geplante Logistikhalle sollte nicht nur einen guten Standort mit optimaler Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben, sie sollte auch eine hohe Energie-Effizienz aufweisen und eine hohe Flexibilität für eine eventuell veränderte Nutzung bieten. Wichtig ist außerdem ein möglichst hohes Maß an Vorfertigung, um so eine möglichst schnelle Fertigstellung des Gebäudes zu erreichen.

Wie ist eine optimale Arbeitsstätte architektonisch gestaltet?
Das hängt natürlich von der betreffenden Arbeit ab. Es gibt große Unterschiede zwischen Arbeitsplätzen in Büros, Labors, in der Logistik, in der Produktion oder in einem Krankenhaus mit Wäscherei, Großküche und Krankenstationen. Sucht man nach dem, was all diesen Arbeitsstätten gemeinsam sein könnte, dann kommt man schnell zu einer Ausstattung mit Sozialräumen,  Fitnessbereichen, Pausenräumen sowie mit begrünten Freibereichen, in denen Sitzgelegenheiten vorhanden sind. Ebenso wichtig sind Licht, Luft, wenig Lärm, helle Oberflächen sowie eine angenehme Klimatisierung.

Welche speziellen Herausforderungen stellen öffentliche Bauwerke?
Öffentliche Bauwerke sollten je nach Umfang des Kundenverkehrs eine gute Orientierung bieten und außerdem sehr robust gestaltet sein. Denn häufig werden sie vor allem durch Einmalbesucher oder seltene Besucher frequentiert, die sich kaum auskennen und die auch keinen Bezug zu dem Gebäude haben.

Wie lassen sich hochwertige Gestaltung und Bezahlbarkeit harmonisch vereinen?
Indem man nicht nur auf die Herstellungskosten schaut, sondern auch die Unterhalts- und Instandhaltungskosten in seine Rechnung mit einbezieht. Im Laufe eines Gebäudelebens machen diese Kosten rund 80 Prozent der so genannten Lebenszykluskosten aus, mit denen die Gesamtkosten eines Gebäudes von der Erstellung bis zum Abbruch und zur Entsorgung zusammengefasst werden. Damit zahlt sich jeder Euro, der in mehr Qualität und weniger Unterhalt gesteckt wird, gleich vierfach aus!

Woran sollten Bauherren nicht sparen?
An den Kosten für Architekten und Fachplaner. Denn was in der Planungsphase nicht bedacht oder schlecht gelöst wird, das führt in der Ausführung und Benutzung des Gebäudes fast zwangsläufig zu Ärger, zu erhöhten Unterhaltskosten und damit zu einem geringeren Wert des Gebäudes in der Wiederveräußerung. Im Vergleich zu den Gesamtkosten eines Gebäudes machen die Planungshonorare nur etwa drei Prozent aus. Wer hier spart, der spart am falschen Fleck!

Wie ist das Thema Nachhaltigkeit im Bewusstsein der Bauherren verankert?
Private und öffentliche Bauherren haben mittlerweile ein großes Interesse am Thema Nachhaltigkeit. Der gewerbliche Bauherr und der Investor, die nur die Kaltmiete betrachten, sind im Vergleich noch deutlich zurückhaltender. Es hängt also im Wesentlichen davon ab, wer die Energiekosten tragen muss. Der Eigennutzer ist da inzwischen sehr sensibel. Doch auch bei ihm reduziert sich das Thema Nachhaltigkeit meistens auf die Betrachtung der reinen Energieeffizienz.

Wie lassen sich Gebäude besonders energieeffizient gestalten? Wie sieht eine moderne Wärmeversorgung aus?
Da Menschen schon immer mit knappen Energieressourcen leben mussten, haben sie seit jeher versucht, möglichst energieeffizient zu bauen. Der erste Schritt dazu ist eine landschafts- und klimaangepasste Bauweise, die sich aus der jeweiligen Bautradition einer Region ableiten lässt. Darüber hinaus ist es letztlich eine persönliche Entscheidung, ob man eher zu Low-Tech oder eher zu High-Tech neigt. Deutschland und einige wenige andere Länder sind in diesem Sinne eher als High-Tech-Länder zu bezeichnen, das ist aber eher die Ausnahme. Für die große Mehrheit der Menschen weltweit werden unsere heutigen modernen Technologien auch langfristig keine Lösung sein können. Weniger bedeutet deshalb meist mehr. Auf Deutschland bezogen sehe ich die größte Zukunft in dezentralen, quartiersbezogenen Blockheizkraftwerken (BHKW) mit der dafür typischen Kraft-Wärme-Kopplung. Dort, wo es möglich ist, ist außerdem die Geothermie eine gute Lösung. Ihr Einsatz ist regional allerdings sehr begrenzt.

Wie sind die Abläufe bei einem individuell geplanten Projekt?
Architekten planen an sich nur individuell; also zugeschnitten auf den jeweiligen Ort, das jeweilige Klima und den jeweiligen Nutzer. Der Ablauf ist immer sehr ähnlich und wird ganz gut in den Leistungsphasen der HOAI beschrieben. Tatsächlich beginnt unsere Leistung aber meist früher, nämlich schon in der Phase der Bedarfsermittlung. Denn sehr oft weiß ein Bauherr gar nicht genau, was er eigentlich will. Dann beraten wir ihn nicht nur hinsichtlich des Raumbedarfs, sondern auch grundsätzlich zu wirtschaftlichen und weniger wirtschaftlichen Lösungen auf seinem Grundstück.

Welches Potenzial bieten Siegel und Zertifikate zum nachhaltigen Bauen?
Siegel schaffen Transparenz und machen die Qualitäten eines Gebäudes und damit seines Wertes auf einen Blick sichtbar. Im Bereich von Logistikhallen ist die Nachfrage nach Zertifikaten inzwischen so hoch, dass eine neue Logistikhalle, die nicht mindestens DGNB-Silber erfüllt, kaum noch zu einem ordentlichen Preis verkauft werden kann. Das gleiche gilt für die Finanzierung durch die Banken, für die die Werthaltigkeit einer Immobilie ein wichtiger Aspekt für die Höhe des Kredits und des Zinssatzes ist. Ebenso sind Firmen, für die die Nachhaltigkeit zum Firmenethos gehört, sehr daran interessiert, dass die firmeneigenen oder auch die angemieteten Immobilien ein Nachhaltigkeitszertifikat besitzen.